Was ist ein PIM-System? Funktionen, Nutzen und Auswahl

Produktdaten • Tim Hoffmann • • Aktualisiert: • 10 Min. Lesezeit
Was ist ein PIM-System? Funktionen, Nutzen und Auswahl

Ein Tisch bekommt eine neue Beschreibung. Im Shop ist sie bereits geändert, in der Datei für einen Handelspartner steht noch die alte Fassung und für die 160-cm-Ausführung wird das Bild der kleineren Variante verwendet. Die einzelnen Informationen sind vorhanden. Es fehlt ein verlässlicher Zusammenhang zwischen Produkt, Ausführung, Medien und Ausgabe.

Ein PIM-System hilft, diese Zusammenhänge zentral zu pflegen und Produktinformationen für ihre verschiedenen Verwendungszwecke vorzubereiten. Ob du ein PIM brauchst, entscheidet sich an deinem Datenprozess: Wie viele unterschiedliche Angaben, Varianten, Sprachen und Partneranforderungen muss dein Team zuverlässig zusammenhalten?

Was ist ein PIM-System?

PIM steht für Product Information Management, auf Deutsch Produktinformationsmanagement. Ein PIM-System ist eine Software, mit der ein Unternehmen seine Produktinformationen strukturiert verwaltet, ergänzt und für die Nutzung in Shops, Katalogen und bei Handelspartnern aufbereitet.

Zu diesen Informationen gehören beispielsweise Artikelnummern, Materialien, Maße, Produktbeschreibungen, Varianten und Übersetzungen. Medien wie Bilder und Montageanleitungen werden mit den passenden Produkten verbunden. Welche Angaben verbindlich sind, hängt vom eigenen Sortiment und vom jeweiligen Zielkanal ab.

Die zentrale Datenbasis schafft einen gemeinsamen Arbeitsstand. Eine Änderung an der Quelle kann anschließend in die dafür eingerichteten Ausgaben einfließen. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, Zuordnungen und einen kontrollierten Übertragungsprozess.

Welche Daten gehören in ein PIM?

Ein brauchbares Datenmodell beschreibt die verkaufte Ausführung so genau, dass daraus eindeutige Informationen entstehen. Für Möbel und Wohnsortimente sind diese Bereiche besonders hilfreich:

DatenbereichBeispielWorauf dein Team achtet
IdentitätArtikelnummer und vorhandene ProduktidentifikatorenArtikel und Ausführungen eindeutig zuordnen
MerkmaleMaterial, Farbe, OberflächeSachlich richtige Eigenschaften mit definierten Werten
VariantenEin Tisch in zwei BreitenGemeinsame Angaben und Unterschiede sauber trennen
Maße und VerpackungAußenmaß, Liegefläche, PackstückeBedeutung und Einheit jeder Angabe festhalten
Texte und SprachenBeschreibung für einen ZielmarktAngaben aus den Produktdaten ableiten und fachlich prüfen
MedienVariantenbild, Pflege- oder MontageanleitungRichtige Datei mit dem richtigen Artikel verbinden
KanalanforderungenKategorie, zulässige Werte, AusgabeformatFür den konkreten Partner einrichten und aktuell halten

Preis, Bestand und Lieferinformationen können aus anderen führenden Systemen stammen. Lege fest, wo diese Werte gepflegt werden und welche davon über den vereinbarten Prozess an einen Partner gelangen. Eine zentrale Produktdatenverwaltung ersetzt diese Zuständigkeitsklärung nicht.

Wann reicht Excel und wann lohnt sich ein PIM?

Für ein überschaubares Sortiment, wenige Bearbeiter und einen einzelnen Ausgabeweg kann eine klar gepflegte Tabelle ausreichen. Der Aufwand steigt, wenn dieselben Angaben in mehreren Dateien und Systemen geändert werden müssen.

Prüfe deshalb die folgenden Alltagssituationen:

  • Dein Team korrigiert denselben Produktwert mehrfach für verschiedene Händler.
  • Es ist unklar, welche Beschreibung oder welches Bild aktuell ist.
  • Varianten unterscheiden sich in Maßen, Material oder Lieferumfang, werden aber gemeinsam gepflegt.
  • Jeder neue Partner benötigt andere Spalten, Wertelisten oder Medien.
  • Neue Sprachen und Produktgruppen erzeugen immer weitere Kopien.
  • Fehler im Listing werden einzeln behoben und tauchen beim nächsten Export erneut auf.

Wenn mehrere Punkte zutreffen, lohnt sich eine genauere Prozessaufnahme. Zähle beispielsweise für eine neue Produktserie die bearbeiteten Dateien, die manuellen Übergaben und die wiederkehrenden Korrekturen. Damit wird der Bedarf konkreter als mit einer pauschalen Mindestzahl an Artikeln.

Was unterscheidet PIM, ERP, DAM und Feed-Management?

Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Aufgaben. In einer Plattform können mehrere davon zusammenkommen; die Verantwortung für die Daten sollte trotzdem eindeutig bleiben.

BereichTypische AufgabeFrage für dein Projekt
ERPBetriebliche Stammdaten und Geschäftsprozesse führenWelche Daten bleiben hier die verbindliche Quelle?
PIMProduktinformationen strukturieren und anreichernWelche Angaben brauchen Vertrieb und E-Commerce zusätzlich?
DAMMedien verwalten und auffindbar machenWie bleiben Bilder und Dokumente mit der richtigen Ausführung verbunden?
Feed-Management und DistributionDaten an Zielstrukturen und Übertragungswege anpassenWie wird aus dem Datenstamm die passende Ausgabe für den Partner?

Ein bestehendes ERP oder PIM kann weiterhin die Quelle für vereinbarte Daten sein. Entscheidend ist, welche Lücke du schließen möchtest: die Produktpflege selbst, die Medienzuordnung oder die Aufbereitung für Händler. Unser Vergleich von ERP und PIM vertieft diese Entscheidung.

Wie funktioniert ein PIM im Arbeitsalltag?

1. Datenquellen und Verantwortliche festlegen

Erfasse, welche Angaben aus dem ERP, von Lieferanten oder aus anderen Dateien kommen. Bestimme, wer fehlende Merkmale fachlich ergänzt. Ein unklarer Materialwert bleibt auch nach dem Import unklar.

2. Produkte und Varianten strukturieren

Ordne gemeinsame Serieninformationen und ausführungsspezifische Eigenschaften zu. Ein gemeinsamer Modellname kann für mehrere Varianten gelten; die jeweilige Breite oder das Variantenbild muss zur konkreten Ausführung gehören.

3. Inhalte ergänzen und prüfen

Ergänze Texte, Medien und Übersetzungen aus den freigegebenen Produktinformationen. Prüfe Vollständigkeit und Widersprüche mit den für deinen Ablauf eingerichteten Regeln. Fachliche Aussagen wie Material oder Lieferumfang benötigen weiterhin eine verlässliche Quelle.

4. Anforderungen je Partner abbilden

Ordne interne Attribute den Zielfeldern zu. Ein Händler benötigt möglicherweise andere Farbbezeichnungen, eine bestimmte Maßeinheit oder eine eigene Kategoriezuordnung. Diese Regeln gehören in ein wiederverwendbares Mapping.

5. Testausgabe und Ergebnis kontrollieren

Erzeuge eine Datei oder nutze eine eingerichtete Schnittstelle. Prüfe zuerst die Ausgabe und anschließend die Verarbeitung beim Partner. Technische Übertragung und tatsächliche Veröffentlichung sind getrennte Kontrollpunkte.

Beispiel: Ein Esstisch in zwei Breiten

Das folgende Beispiel ist ein fiktives internes Datenmodell. Es ist keine offizielle Händler-Vorlage und nicht für einen echten Upload bestimmt.

EigenschaftAusführung 120 cmAusführung 160 cm
Interne ArtikelnummerDEMO-TABLE-120-OAKDEMO-TABLE-160-OAK
ProduktfamilieTABLE-LINNTABLE-LINN
Breite120 cm160 cm
Tiefe und Höhe80 cm und 75 cm80 cm und 75 cm
MaterialMelaminbeschichtete SpanplatteMelaminbeschichtete Spanplatte
LieferumfangEin Tisch; Stühle nicht enthaltenEin Tisch; Stühle nicht enthalten

Eine gemeinsame Beschreibung kann die Serie erläutern. Die konkrete Produktbeschreibung und die Ausgabe an den Händler müssen erkennen lassen, welche Breite verkauft wird. Wird im Mapping versehentlich ein gemeinsames Serienfeld verwendet, können beide Artikel mit 120 cm ausgegeben werden.

Die Korrektur besteht dann darin, die Breite aus der jeweiligen Variante zu beziehen. Kontrolliere danach beide Ausgaben nebeneinander. Mit diesem Test findest du die Ursache, bevor sie sich durch weitere Produkte zieht. Mehr dazu zeigen unsere Artikel zu Möbelvarianten und Produkt- und Verpackungsmaßen.

Vorteile eines PIM-Systems

Der praktische Nutzen entsteht aus verlässlichen Abläufen:

  • Weniger wiederholte Pflege: Eine fachlich richtige Änderung steht als gemeinsame Quelle für eingerichtete Ausgaben bereit.
  • Nachvollziehbare Varianten: Unterschiede werden am Artikel geführt und lassen sich gezielt kontrollieren.
  • Bessere Zusammenarbeit: Produktwissen, Texte und Medien erhalten einen gemeinsamen Bezug statt vieler unklarer Dateistände.
  • Wiederverwendbare Partnerregeln: Geprüfte Zuordnungen können für weitere passende Artikel genutzt werden.
  • Gezieltere Fehlerkorrektur: Eine Datenlücke wird an ihrer Quelle bearbeitet und anschließend erneut geprüft.

Wie groß die Entlastung ausfällt, hängt vom Ausgangszustand, den eingerichteten Prozessen und der Zahl der tatsächlich eingesparten Arbeitsschritte ab. Miss deshalb den Aufwand für eine repräsentative Produktgruppe vor und nach der Einführung.

Welche Kostenfaktoren solltest du bei der Auswahl berücksichtigen?

Betrachte neben dem laufenden Softwarepreis auch den Aufwand für Datenmodell, Import, Bereinigung und Einrichtung der Zielkanäle. Zusätzliche Sprachen, komplexe Varianten oder viele unterschiedliche Vorlagen können weitere Abstimmungen erfordern.

Kläre im Angebot insbesondere:

  • Welche Funktionen und Benutzerzugänge sind enthalten?
  • Welche Quellen, Kategorien und Partner werden eingerichtet?
  • Wer übernimmt Migration, Mapping und fachliche Datenkorrekturen?
  • Welche Aufgaben kann dein Team anschließend selbst erledigen?
  • Wie werden neue Anforderungen und Änderungen an Händler-Vorlagen betreut?

Eine Demo mit eigenen Testdaten hilft, diese Punkte anhand eines tatsächlichen Ablaufs zu beantworten.

Checkliste für die Auswahl eines PIM-Systems

Nimm eine Produktfamilie mit mehreren Ausführungen und eine aktuelle Händleranforderung mit in die Bewertung. Lass dir daran zeigen, wie das System mit deinen Aufgaben umgeht.

  • Lassen sich gemeinsame Angaben, Varianten und Sets nachvollziehbar abbilden?
  • Bleiben Produkt-, Verpackungs- und gegebenenfalls Liegeflächenmaße getrennt?
  • Können Medien der richtigen Ausführung zugeordnet werden?
  • Wie funktionieren Wertelisten, Einheiten und partnerbezogene Ausgaben?
  • Welche Fehler sieht dein Team vor oder nach der Übertragung?
  • Welche Daten stammen weiterhin aus dem ERP oder einem bestehenden PIM?
  • Wie werden die tatsächlich eingerichteten Inhalte, Preise und Bestände aktualisiert?
  • Welche Schritte bleiben bei deinem Team und beim Handelspartner?

Wie führst du ein PIM sinnvoll ein?

Beginne mit einer überschaubaren Produktgruppe und klaren Zielkanälen. Lege die Verantwortlichen fest, bereinige die Ausgangsdaten und richte das benötigte Mapping ein. Teste einen einfachen Artikel und die Variantenfälle, die in deinem Sortiment häufig vorkommen.

Dokumentiere anschließend, was der Partner angenommen hat und wie das Produkt tatsächlich dargestellt wird. Erst mit diesem geprüften Ablauf erweiterst du das Sortiment. Ein dauerhaft nutzbares Datenmodell braucht außerdem einen Verantwortlichen für neue Produkte und geänderte Anforderungen.

Warum Shopvibes?

shopvibes verbindet Produktinformationen und Medien mit der Aufbereitung für Handelspartner. Du kannst Produktdaten zentral pflegen und für eingerichtete Templates oder Schnittstellen aufbereiten. Je Partner werden die benötigten Zuordnungen und der Übertragungsumfang abgestimmt.

Der Leitfaden zu Händler-Templates zeigt ein konkretes Mapping-Beispiel. Die Möbel-Lösung verbindet Varianten, Maße und Medien mit den unterschiedlichen Ausgabewegen. Der Artikel zu Produktdaten-SEO für Möbelhersteller zeigt, wie konkrete Merkmale Kauffragen beantworten. Die Checkliste für KI-Suche und Shopping ergänzt die Vorbereitung für Suchdienste und die interne Arbeit mit KI-Assistenten. Für die nächsten Schritte kannst du dein Sortiment und eine Partneranforderung zur Demo mitbringen.

Häufige Fragen zu PIM

Braucht ein kleines Team bereits ein PIM?

Die Teamgröße allein entscheidet das nicht. Relevant sind die Komplexität der Daten und die Häufigkeit wiederholter Pflege. Auch ein kleines Team kann von einer gemeinsamen Datenbasis profitieren, wenn mehrere Partner und viele Ausführungen zusammenkommen.

Kann ein vorhandenes ERP weiter genutzt werden?

Ja, ein vorhandenes System kann weiterhin die vereinbarte Quelle sein. Für die Einrichtung werden Datenverantwortung, Austausch und ergänzende Produktinformationen festgelegt.

Werden Produkte nach einem Export automatisch veröffentlicht?

Das hängt vom eingerichteten Übertragungsweg und dem Partnerprozess ab. Eine erzeugte Datei oder angenommene Schnittstellenanfrage bestätigt noch keine Veröffentlichung. Prüfe die Rückmeldungen und den tatsächlichen Zustand beim Händler.

Können wir einfach alle vorhandenen Excel-Dateien übernehmen?

Dateien können eine Datenquelle sein. Vorher sollte dein Team klären, welche Werte verbindlich sind und wie widersprüchliche Angaben aufgelöst werden. Ein Import ersetzt diese fachliche Entscheidung nicht.

Fachlicher Stand

Überarbeitet am 3. November 2026. Die Beispiele beschreiben ein internes Datenmodell. Verbindliche Anforderungen ergeben sich aus dem jeweiligen Partnerprozess. Die Produktabläufe erläutern die Shopvibes-Anleitungen zu Mapping und Template-Exporten.

Über den Autor

Tim Hoffmann

Autor

Tim Hoffmann

Chief Product Officer, shopvibes

Tim Hoffmann ist Chief Product Officer bei shopvibes. Er beschäftigt sich mit Produktdatenmanagement, Marktplatzanbindungen und der Automatisierung von E-Commerce-Prozessen.

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